Das große Pferdefütterungs-Glossar

Wenn du dich schon einmal gefragt hast, was genau Rohfaser, Pektin oder Proteinverdaulichkeit bedeutet: willkommen im Dschungel der Fütterungsbegriffe.
Viele Pferdebesitzerinnen stolpern über Fachbegriffe, die in Foren und auf Futtersäcken ständig auftauchen, aber selten wirklich erklärt werden.
Dieses Glossar bringt Klarheit, damit du beim Thema Fütterung nicht mehr rätst, sondern verstehst.

Ad libitum
„Zur freien Verfügung“ – meist bei Heu. Bedeutet: Das Pferd kann fressen, wann es möchte. Wichtig für Darm, Psyche & Stoffwechsel.

Adipositas
Fettleibigkeit beim Pferd. Risikofaktor für EMS, Rehe & Stoffwechselprobleme.

Aminosäuren
Bausteine des Lebens. Sie bilden Muskulatur, Hormone und Enzyme. Man unterscheidet zwischen essenziellen Aminosäuren (diese kann der Körper nicht selber herstellen) und nicht essenziellen Aminosäuren (die kann der Körper selber herstellen.

Analysewerte
Die chemischen Werte auf deinem Futtersack (z. B. Rohprotein, Rohfaser). Sie zeigen, was im Futter steckt.

Anorganisch
Mineralische Form eines Nährstoffs (z. B. Oxide, Sulfate). Wird schlechter verwertet als organisch gebundene Mineralien.

Ascorbinsäure (Vitamin C)
Antioxidans. Pferde bilden es selbst, benötigen aber zusätzliche Unterstützung bei Stress & Krankheit.

Azidose
Übersäuerung des Verdauungs- oder Stoffwechselsystems. Häufig bei zu viel Kraftfutter oder strukturarmen Rationen.

Ballaststoffe
Unverdauliche Pflanzenbestandteile, die den Darm beschäftigen und die Verdauung stabilisieren.

BCS (Body Condition Score)
Einschätzung des Ernährungszustands eines Pferdes auf einer Skala von 1–9.

Beta-Carotin
Vorstufe von Vitamin A, wichtig für Fruchtbarkeit, Haut und Immunsystem.

Biotin
Vitamin für Hufhorn, Fell & Haut. Funktioniert nur in Kombination mit Zink & Aminosäuren.

Blutzuckerspiegel
Einflussfaktor für Energie, Verhalten & Stoffwechsel. Schwankungen können EMS & IR verschlimmern.

Calcium (Ca)
Mineralstoff für Knochen, Muskulatur und Nervensystem. Wichtig: immer im Verhältnis zu Phosphor betrachten!

Ca:P-Verhältnis
Verhältnis von Calcium zu Phosphor. Ideal ca. 2:1. Wichtig für Knochen, Muskeln & Stoffwechsel.

Chlorophyll
Pflanzenfarbstoff, unterstützt Leber & Blutbildung. Besonders in grünen Pflanzen & Gerstengras.

Cobs
Gepresste Heu- oder Luzernewürfel. Werden eingeweicht gefüttert.

Cushing (PPID)
Hormonelle Erkrankung, die Stoffwechsel & Muskulatur beeinflusst. Benötigt angepasste Fütterung mit wenig Zucker/Stärke.

Darmflora
Gesamtheit der Mikroorganismen im Darm. Ein stabiles Mikrobiom = gesunde Verdauung.

DE (verdauliche Energie)
Maßeinheit für die Energie, die das Pferd tatsächlich verwerten kann.

Dünndarmverdaulich
Nährstoffe (v. a. Zucker, Stärke, Proteine), die im Dünndarm aufgeschlossen werden.

Eisen
Wichtig für Blutbildung. Zu viel Eisen hemmt Aufnahme anderer Mineralien (z. B. Zink, Kupfer).

Eiweiß (Protein)
Zentraler Nährstoff für Muskeln, Hormone, Enzyme.

Elektrolyte
Mineralien wie Natrium, Kalium und Chlorid, die wichtig für den Wasserhaushalt sind.

EMS (Equines Metabolisches Syndrom)
Stoffwechselstörung mit Übergewicht & Insulinresistenz. Eng verbunden mit falscher Fütterung.

Energie
Kraftstoff des Pferdes. Kommt aus Fasern, Fetten oder Stärke/Zucker. Energiebedarf ≠ Kalorien sparen.

Erhaltungsbedarf
Energiemenge, die ein Pferd benötigt, um seine Grundfunktionen aufrechtzuerhalten – ohne Training.

Essenziell
Nährstoffe, die der Körper nicht selbst herstellen kann und über das Futter aufnehmen muss.

Faserstruktur
Beschreibt, wie grob oder fein das Raufutter ist. Feine Struktur = schneller gekaut und verdaut, grobe = längere Kautätigkeit → besserer Verdauungstakt.

Fettsäuren
Gesunde Fette (z. B. Omega 3) unterstützen u.a. Immunsystem und Zellregeneration.

Folsäure
Wichtig für Blutbildung & Zellteilung.

Freie Radikale
Aggressive Moleküle, die Zellen schädigen. Antioxidantien (Vit. E, C, Selen) schützen dagegen.

Fruktan
Zuckerform im Gras. Hohe Fruktanwerte = großes Rehe-Risiko.

Fütterungssystem
Ein durchdachtes, abgestimmtes Konzept aus Raufutter, Mineralfutter, Energie- & Proteinversorgung.

Gerstengras
Nährstoffreich, unterstützt Leber, Blutbildung & Immunsystem.

Glukose
Blutzucker. Steuert Energie & Stoffwechsel.

Heuqualität
Entscheidend für jede Fütterung. Duft, Struktur, Schnittzeitpunkt & Staubbelastung sagen mehr aus als der Preis.

Heulage
Angesäuertes, teilgetrocknetes Heu – praktisch, aber mit Risiken: höhere Keimbelastung, weniger Struktur, mehr Lageransprüche.

IE (Internationale Einheit)
Maßeinheit für Vitamine wie Vitamin E.

Insulinresistenz (IR)
Zellen reagieren nicht mehr auf Insulin → Zucker bleibt im Blut → Risiko für EMS & Hufrehe.

Jod
Spurenelement für Schilddrüse & Hormonsteuerung.

Kalium
Elektrolyt für Muskeln & Herz. Hoher Gehalt im Heu → Risiko für Cushing/EMS/IR-Pferde.

Keratin
Proteinbaustein von Huf, Haut & Haaren.

Kieselgur
Mineralpulver zur Unterstützung von Fell & Haut sowie zur Bindung von Schadstoffen.

Kleie
Getreidenebenprodukt, reich an Phosphor. Zu viel stört Mineralstoffbalance.

Kollagen
Strukturprotein für Bindegewebe, Sehnen & Haut.

KPU (Kryptopyrrolurie – beim Pferd umstritten)
Stoffwechselstörung mit gestörter Entgiftung. Häufig Fehldiagnose, daher kritisch betrachten.

Kupfer (Cu)
Spurenelement für Pigmentbildung, Leber & Immunsystem.

Laktation
Milchproduktion bei Stuten – hoher Energie- & Proteinbedarf.

Leberentlastung
Ein wichtiger Baustein jeder Entgiftung. Leber arbeitet als zentrales Stoffwechselorgan und braucht Pausen, nicht Pulver.

Leichtfuttrig
Pferde, die schnell zunehmen und wenig Energie brauchen. Oft EMS-/IR-Risiko.

Lecithin
Unterstützt Leber, Zellmembranen & Nerven.

Lignin
Unverdaulicher Bestandteil von Pflanzenfasern. Wichtiger Strukturgeber im Raufutter.

Luzerne
Eiweißreiches Futter, ideal zum Aufbau. In Maßen wertvoll, im Übermaß belastend.

Magnesium (Mg)
Beruhigt das Nervensystem, stabilisiert Muskeln. Mangel zeigt sich in Nervosität oder Muskelzittern.

Mangan
Spurenelement für Knochen, Knorpel & Stoffwechsel.

Mash
Feucht zubereitete Futtermahlzeit aus Leinsamen, Kleie etc. Gut für den Darm, aber kein Dauerfutter.

Melasse
Zuckersirup aus der Zuckerproduktion. In vielen Futtermischen – oft unnötig.

Metabolismus
Stoffwechsel – verarbeitet Energie, Eiweiß, Hormone & Nährstoffe.

Milchsäure
Entsteht bei Fehlgärungen im Darm oder bei Muskelüberlastung.

MSM (Methylsulfonylmethan)
Organische Schwefelquelle – gut für Gelenke, Fell, Hufe.

Mineralfutter
Versorgt Pferde mit Vitaminen & Spurenelementen. Die Basis jeder Versorgung, wenn individuell abgestimmt.

Mykotoxine
Schimmelpilzgifte im Futter, unsichtbar, aber gefährlich. Qualitätskontrolle ist Pflicht!

Natrium
Elektrolyt, wichtig für Wasserhaushalt & Nerven. Salz = Pflicht.

Organisch (gebundene Mineralien)
Hochwertige Verbindungen, die besser aufgenommen werden (z. B. Chelate).

Omega-3-Fettsäuren
Entzündungshemmend, stärken Immunsystem und Haut. Besonders in Leinöl enthalten.

Pektin
Ballaststoff mit prebiotischer Wirkung, das Futter für gute Darmbakterien.

pH-Wert
Säure-Basen-Wert im Magen/Darm. Zuckriges Futter → sinkt → Risiko für Koliken & Azidose.

Phosphor (P)
Im Verhältnis zu Calcium wichtig für Knochen & Energiehaushalt. Zu viel stört Mineralstoffbalance.

PSSM
Muskelstoffwechselstörung (Typ 1 & 2). Zucker-/stärkearme Fütterung notwendig.

Proteinverdaulichkeit
Zeigt, wie gut ein Pferd Eiweiß tatsächlich nutzt, Qualität ist wichtiger als Menge.

Raufutter
Die Basis jeder gesunden Fütterung: Heu, Gras, Stroh. Ohne Struktur kein stabiler Darm.

Rohasche
Anteil der mineralischen Substanzen.

Rohprotein
Gesamteiweiß im Futter.

Schwefel
Wichtig für Fell, Haut, Bänder, Stoffwechsel (oft als MSM).

Sekundäre Pflanzenstoffe
Natürliche Wirkstoffe mit antioxidativer, entzündungshemmender oder entgiftender Wirkung.

Selen (Se)
Spurenelement für Zellschutz & Muskeln.

Spurenelemente
Zink, Kupfer, Selen etc. Kleine Menge – große Wirkung.

Stärke & Zucker (NSC)
Energiequellen, die bei Stoffwechselproblemen reduziert werden sollten.

Strukturwert
Kennzahl für Kautätigkeit & Speichelfluss, je höher, desto besser für Verdauung & Psyche.

Timothee (Timothy-Gras)
Strukturreiches, zuckerarmes Heu – ideal für EMS-/IR-Pferde.

Verdauungsenzyme
Zerlegen Nährstoffe, ihre Aktivität hängt von Futterqualität & Darmflora ab.

Vitamin E
Antioxidans, schützt Zellen & Muskeln. Bedarf steigt bei Training & Stress.

Zink (Zn)
Zentral für Haut, Fell & Immunsystem. Ein klassischer Mangelstoff bei vielen Pferden.

Lina Holz
Author: Lina Holz

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